Vintage Mode: Secondhand-Schätze finden und kombinieren

In diesem Artikel

  • Vintage Mode spart im Schnitt 60 bis 80 Prozent gegenüber Neuware bei vergleichbarer Qualität
  • Die besten Secondhand-Fundstücke stammen aus den Jahrzehnten der 50er bis 90er Jahre, wobei jede Ära eigene Stilmerkmale bietet
  • Ein gut kuratierter Vintage-Anteil von 30 bis 40 Prozent reicht aus, um jedem Outfit Charakter zu verleihen
  • Beim Kauf auf Materialqualität, Nähte und Passform achten: Naturfasern wie Seide, Wolle und Baumwolle halten Jahrzehnte
  • Online-Plattformen, Flohmärkte und spezialisierte Vintage-Shops in Wien bieten unterschiedliche Preissegmente von 5 bis 200 Euro pro Teil
  • Vintage-Teile lassen sich mit modernen Basics zu individuellen Looks kombinieren, die kein Fast-Fashion-Regal bieten kann

Als Stylistin begegne ich in meinem Wiener Atelier täglich Kundinnen, die nach etwas Besonderem suchen: Kleidungsstücke mit Geschichte, Charakter und einer Qualität, die man in aktuellen Kollektionen oft vergeblich sucht. Genau das bietet Vintage Mode. In über zehn Jahren Modeberatung habe ich gelernt, dass die schönsten Outfits entstehen, wenn zeitlose Secondhand-Fundstücke auf moderne Basics treffen. In diesem Guide zeige ich dir, wie du echte Schätze findest, ihre Qualität einschätzt und sie so kombinierst, dass dein Look gleichzeitig individuell und alltagstauglich wird.

Was ist Vintage Mode und warum liegt sie im Trend?

Der Begriff Vintage Mode bezeichnet Kleidungsstücke und Accessoires, die mindestens 20 Jahre alt sind und einen bestimmten Stil einer vergangenen Epoche repräsentieren. Im Unterschied zu einfacher Secondhand-Kleidung, die jedes gebrauchte Kleidungsstück umfasst, zeichnet sich Vintage durch eine besondere gestalterische oder handwerkliche Qualität aus. Stücke, die über 100 Jahre alt sind, werden als Antik-Mode bezeichnet.

Der Trend zur Vintage Mode ist kein kurzfristiges Phänomen. Laut einer Studie von ThredUp wächst der globale Secondhand-Markt jährlich um rund 15 Prozent und wird bis 2027 ein Volumen von über 350 Milliarden US-Dollar erreichen. Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Individualität: Vintage-Teile sind Unikate, die dich von der Masse abheben
  • Nachhaltigkeit: Jedes gebrauchte Kleidungsstück spart Ressourcen und reduziert Textilmüll
  • Qualität: Ältere Kleidung wurde oft aus hochwertigeren Materialien und mit besserer Verarbeitung hergestellt
  • Preis-Leistung: Designerstücke bekommst du zu einem Bruchteil des Originalpreises

Gerade in Wien erlebe ich, wie Vintage Mode zur bewussten Alternative zum schnellen Modekonsum wird. Meine Kundinnen schätzen es, dass sie mit einem Vintage-Blazer aus den 80ern oder einer Seidenbluse aus den 70ern Geschichten tragen, die kein Neukauf erzählen kann.

Flat Lay mit Vintage-Fundstücken: Seidenschal, Lederhandtasche und Schmuck aus verschiedenen Jahrzehnten
Flat Lay mit Vintage-Fundstücken: Seidenschal, Lederhandtasche und Schmuck aus verschiedenen Jahrzehnten

Wo du die besten Vintage-Schätze findest

Die Suche nach dem perfekten Vintage-Teil ist wie eine Schatzjagd, und ich liebe jede Minute davon. Es gibt verschiedene Quellen, die sich in Preis, Auswahl und Qualität unterscheiden. Hier sind meine bewährten Anlaufstellen:

Spezialisierte Vintage-Shops

In Wien gibt es eine hervorragende Szene spezialisierter Vintage-Läden, etwa in der Neubaugasse oder am Naschmarkt. Diese Shops kuratieren ihre Auswahl sorgfältig, was bedeutet, dass die Qualität hoch ist, aber auch die Preise etwas über dem Durchschnitt liegen. Für Einsteigerinnen sind sie ideal, weil die Beratung vor Ort hilft, den eigenen Vintage-Stil zu finden. Rechne hier mit 20 bis 150 Euro pro Teil.

Flohmärkte und Trödelmärkte

Der Wiener Flohmarkt am Naschmarkt, der Flohmarkt am Karlsplatz und saisonale Märkte in ganz Österreich sind Goldgruben für geduldige Suchende. Hier findest du Teile ab 2 bis 5 Euro, musst aber wissen, wonach du suchst. Mein Tipp: Geh früh hin, nimm Bargeld mit und trage bequeme Kleidung, damit du Stücke schnell anprobieren kannst.

Online-Plattformen

Plattformen wie Vestiaire Collective, Vinted, eBay Kleinanzeigen und willhaben.at haben das Vintage-Shopping revolutioniert. Der Vorteil: Du kannst gezielt nach Marken, Größen und Epochen filtern. Der Nachteil: Du kannst die Teile nicht anfassen. Achte daher besonders auf detaillierte Fotos, Maßangaben und Verkäuferbewertungen.

Kleidertausch-Events

Swap-Partys und Kleidertausch-Veranstaltungen, die es in Wien regelmäßig gibt, sind eine kostenlose Möglichkeit, deinen Kleiderschrank aufzufrischen. Du bringst Teile mit, die du nicht mehr trägst, und nimmst neue Lieblingsstücke mit nach Hause. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern macht in der Gruppe auch richtig Spaß.

Charity-Shops und Sozialkaufhäuser

Carla-Shops der Caritas oder die Wiener Volkshilfe-Läden bieten Secondhand-Kleidung zu sehr günstigen Preisen. Die Auswahl ist weniger kuratiert, aber mit Geduld findest du hier echte Perlen für unter 10 Euro. Dein Einkauf unterstützt gleichzeitig einen guten Zweck.

Qualität erkennen: Worauf du beim Secondhand-Kauf achten musst

Nicht jedes alte Kleidungsstück ist ein wertvoller Fund. In meinen Jahren als Stylistin habe ich einen geschulten Blick für Qualität entwickelt, den ich gerne mit dir teile. Hier sind die wichtigsten Prüfpunkte:

Material: Greife zuerst zum Etikett. Naturfasern wie Seide, Wolle, Kaschmir, Leinen und Baumwolle sind Zeichen von Qualität und altern schöner als Synthetik. Ein Seidenschal aus den 70ern fühlt sich heute noch luxuriös an, während Polyester aus der gleichen Zeit oft spröde und vergilbt ist.

Nähte: Untersuche die Innennähte. Bei hochwertiger Verarbeitung sind die Nähte gleichmäßig, die Nahtzugaben großzügig (das ermöglicht spätere Änderungen) und die Knopflöcher sauber eingefasst. Französische Nähte oder überlappende Nähte deuten auf gehobene Qualität hin.

Passform: Vintage-Größen fallen oft kleiner aus als heutige Größen. Eine Vintage-Größe 40 kann einer modernen 36 oder 38 entsprechen. Miss daher immer nach und vergleiche mit deinen eigenen Körpermaßen. Kleine Änderungen wie Kürzen oder Enger-Nähen sind meist problemlos möglich, aber grundlegende Passformprobleme lassen sich selten beheben.

Zustand: Prüfe auf Flecken, Mottenlöcher, Verfärbungen und ausgeleierte Gummibänder. Leichte Gebrauchsspuren gehören zum Charme, aber hartnäckige Flecken unter den Achseln oder brüchiges Leder sind Ausschlusskriterien. Fehlende Knöpfe oder ein defekter Reißverschluss hingegen sind leicht reparierbar.

Prüfkriterium Gutes Zeichen Warnsignal Reparierbar?
Material Naturfasern (Seide, Wolle, Leinen) Spröde Synthetik, Vergilbung Nein
Nähte Gleichmäßig, großzügige Nahtzugabe Aufgeplatzte oder schiefe Nähte Ja (Schneiderei)
Reißverschluss Leichtgängig, Metall-Reißverschluss Klemmt, fehlt oder Plastik gebrochen Ja (10 bis 25 Euro)
Flecken Keine oder leichte Patina Schweißflecken, Stockflecken Teilweise (Reinigung)
Knöpfe Original, vollständig Fehlend oder gebrochen Ja (einfach)
Futter Intakt, Seide oder Viskose Gerissen, riecht muffig Ja (aufwendig, 30 bis 60 Euro)
Elastik Spannkraft vorhanden Ausgeleiert, brüchig Ja (5 bis 15 Euro)

Qualitätsprüfung beim Vintage-Kauf: Nähte und Materialetiketten verraten die wahre Wertigkeit
Qualitätsprüfung beim Vintage-Kauf: Nähte und Materialetiketten verraten die wahre Wertigkeit

Die wichtigsten Vintage-Epochen und ihre Stilmerkmale

Um gezielt nach Vintage Mode zu suchen, hilft es, die Stilmerkmale der verschiedenen Jahrzehnte zu kennen. Jede Epoche hat ihren eigenen Charakter, und je nachdem, welcher Typ du bist, wirst du dich in bestimmten Jahrzehnten besonders wohlfühlen.

Die 50er Jahre: Eleganz und Weiblichkeit

Die Mode der 50er Jahre steht für betonte Taillen, ausgestellte Röcke und eine sehr feminine Silhouette. Petticoats, Bleistiftröcke und taillierte Blusen sind typische Fundstücke. Diese Teile passen wunderbar zu einem modernen Retro-Look und lassen sich mit schlichten Basics wie einem weißen T-Shirt und Sneakers in die Gegenwart holen.

Die 60er Jahre: Jugendkultur und Minimalismus

Die Swinging Sixties brachten den Minirock, geometrische Muster und kräftige Farben. A-Linien-Kleider und Etuikleider aus dieser Zeit sind zeitlose Klassiker, die sich hervorragend als Business-Outfit eignen. Achte auf die typischen Op-Art-Muster und die oft hochwertige Verarbeitung aus dieser goldenen Ära der Konfektionsmode.

Die 70er Jahre: Bohème und Freiheit

Schlaghosen, Maxikleider, Wildlederjacken und florale Drucke: Die 70er sind eine Goldgrube für den Bohème-Stil. Besonders gesucht sind Seidenblusen mit Schluppe, Wickelkleider im Diane-von-Fürstenberg-Stil und handgestrickte Pullover. Diese Teile bringen eine lässige Eleganz in jeden modernen Look und passen perfekt zum aktuellen Streetstyle.

Die 80er Jahre: Power Dressing und Oversize

Schulterpolster, Oversize-Blazer, Statement-Schmuck und kräftige Farben dominieren die 80er. Besonders Blazer aus dieser Zeit erleben gerade ein starkes Revival. Ein oversized Vintage-Blazer mit goldenen Knöpfen über einem schlichten Rollkragenpullover ist einer meiner liebsten Looks für Kundinnen, die Stärke und Stil verbinden wollen.

Die 90er Jahre: Minimalismus trifft Grunge

Die 90er bieten zwei Extreme: den puristischen Minimalismus à la Calvin Klein mit schlichten Slip-Dresses und klaren Linien sowie den rebellischen Grunge-Look mit Flanellhemden und zerrissenen Jeans. Beide Stile sind heute wieder hochaktuell. Slip-Dresses aus den 90ern sind begehrte Sammlerstücke und funktionieren als elegantes Outfit für besondere Anlässe genauso gut wie im Alltag über einem T-Shirt getragen.

Vintage Mode kombinieren: So stylst du Secondhand-Teile modern

Das Geheimnis gelungener Vintage-Outfits liegt in der Kombination mit modernen Stücken. Ich rate meinen Kundinnen immer: Trage nie mehr als zwei Vintage-Teile gleichzeitig, sonst kippt der Look schnell ins Kostümhafte. Hier sind meine bewährten Styling-Regeln:

Regel 1: Ein Vintage-Statement, der Rest modern

Wähle ein auffälliges Vintage-Teil als Mittelpunkt deines Outfits, etwa einen gemusterten Seidenrock aus den 70ern oder einen Oversize-Blazer aus den 80ern. Kombiniere es mit schlichten, zeitgenössischen Basics in neutralen Farben. So bekommt das Vintage-Stück die Bühne, die es verdient, ohne dass der Look altmodisch wirkt.

Regel 2: Kontraste schaffen

Mische bewusst verschiedene Stilepochen. Ein romantisches Vintage-Spitzenoberteil wirkt mit einer modernen Lederhose und aktuellen Schuhen cool und spannungsreich. Die Gegensätze erzeugen einen Look, der interessant und durchdacht wirkt.

Regel 3: Accessoires als Vintage-Einstieg

Wenn du dich an Vintage Mode erst herantasten möchtest, beginne mit Accessoires. Eine Vintage-Brosche am modernen Blazer, ein Seidenschal aus den 60ern zum schlichtem Kleid oder eine strukturierte Lederhandtasche aus den 80ern sind niedrigschwellige Einstiege, die sofort Wirkung zeigen. Vintage-Accessoires kosten oft zwischen 5 und 30 Euro und verändern ein ganzes Outfit.

Regel 4: Die Passform anpassen

Lass Vintage-Teile beim Schneider anpassen. Ein Kleid aus den 50ern, das perfekt auf deinen Körper zugeschnitten ist, wirkt modern und elegant, nicht verkleidet. Einfache Änderungen wie das Kürzen eines Rocks oder das Enger-Nähen eines Blazers kosten 15 bis 40 Euro und machen einen gewaltigen Unterschied. Das ist eine Investition, die sich bei jeder Größe lohnt.

Regel 5: Eine Capsule Wardrobe mit Vintage-Anteil aufbauen

Integriere Vintage-Teile gezielt in deine Capsule Wardrobe. Ich empfehle meinen Kundinnen, rund 30 bis 40 Prozent ihres Kleiderschranks mit ausgewählten Vintage-Stücken zu bestücken. Diese bilden zusammen mit modernen Basics eine vielseitige Garderobe, die für jeden Anlass funktioniert, vom Büro bis zum Outfit als Hochzeitsgast.

Vintage trifft Modern: Ein 80er-Jahre-Blazer kombiniert mit schlichtem weißen T-Shirt auf Wiener Straßen
Vintage trifft Modern: Ein 80er-Jahre-Blazer kombiniert mit schlichtem weißen T-Shirt auf Wiener Straßen

Pflege und Aufbereitung von Vintage-Kleidung

Vintage-Teile verdienen besondere Aufmerksamkeit bei der Pflege. Mit den richtigen Methoden halten diese Stücke noch viele weitere Jahre. Hier teile ich meine erprobten Pflegetipps:

Waschen: Wasche Vintage-Kleidung grundsätzlich mit der Hand oder im Schonwaschgang bei maximal 30 Grad. Verwende ein mildes Wollwaschmittel oder spezielles Seidenshampoo. Vermeide den Trockner: Er ist der größte Feind alter Textilien.

Lüften statt Waschen: Viele Vintage-Teile, besonders Wollmäntel und Blazer, brauchen kein häufiges Waschen. Hänge sie nach dem Tragen an die frische Luft, am besten über Nacht auf dem Balkon. Ein Dampfbügeleisen entfernt leichte Gerüche und glättet gleichzeitig Falten.

Fleckenbehandlung: Teste Fleckenentferner immer zuerst an einer unsichtbaren Stelle. Bei hartnäckigen Flecken auf empfindlichen Stoffen wie Seide oder Samt empfehle ich den Gang zur professionellen Reinigung. Kosten: etwa 8 bis 15 Euro pro Teil.

Aufbewahrung: Lagere Vintage-Kleidung auf gepolsterten Bügeln, nicht auf Drahtbügeln, die die Schultern verformen. Strickwaren solltest du gefaltet in Schubladen aufbewahren. Lavendelsäckchen halten Motten auf natürliche Weise fern und duften angenehm.

Reparaturen: Lerne einfache Reparaturen selbst durchzuführen: Einen Knopf annähen, einen Saum hochstecken oder eine kleine Naht schließen. Für komplexere Arbeiten lohnt sich der Gang zur Schneiderei. In Wien gibt es ausgezeichnete Änderungsschneidereien, die Erfahrung mit Vintage-Stoffen haben.

Budget-Guide: Was kosten Vintage-Teile wirklich?

Eine der häufigsten Fragen meiner Kundinnen betrifft das Budget. Die gute Nachricht: Vintage Mode gibt es in jeder Preisklasse. Hier ein realistischer Überblick über die Kosten, basierend auf meinen Erfahrungen am österreichischen Markt:

Kleidungsstück Flohmarkt Online-Plattform Vintage-Shop Designer-Vintage
Bluse / Hemd 3 bis 10 Euro 8 bis 25 Euro 15 bis 45 Euro 40 bis 150 Euro
Kleid 5 bis 20 Euro 15 bis 50 Euro 25 bis 80 Euro 60 bis 300 Euro
Blazer / Jacke 5 bis 15 Euro 20 bis 60 Euro 30 bis 100 Euro 80 bis 400 Euro
Mantel 10 bis 30 Euro 30 bis 80 Euro 50 bis 150 Euro 100 bis 500 Euro
Handtasche 3 bis 15 Euro 10 bis 40 Euro 20 bis 80 Euro 50 bis 600 Euro
Schuhe 5 bis 15 Euro 15 bis 45 Euro 25 bis 70 Euro 60 bis 250 Euro
Accessoires (Schal, Brosche) 1 bis 8 Euro 5 bis 20 Euro 10 bis 40 Euro 20 bis 150 Euro

Mein Budget-Tipp: Starte mit einem monatlichen Vintage-Budget von 30 bis 50 Euro. Damit kannst du dir pro Monat ein bis zwei ausgewählte Teile leisten, die deiner Garderobe echten Charakter verleihen. Investiere lieber in wenige, hochwertige Stücke als in viele günstige Impulskäufe. Dieses Prinzip gilt übrigens auch für die aktuellen Modetrends 2026: Qualität schlägt Quantität.

Bei Designer-Vintage lohnt sich Geduld besonders. Ein Chanel-Blazer oder eine Hermès-Tasche im Secondhand mag teuer erscheinen, kostet aber nur einen Bruchteil des Neupreises und ist eine echte Wertanlage, die im Laufe der Jahre sogar an Wert gewinnen kann.

Vintage Mode als nachhaltige Alternative

Als Modeberaterin, die sich seit Jahren intensiv mit nachhaltiger Mode beschäftigt, sehe ich Vintage als eine der wirkungsvollsten Maßnahmen gegen die Umweltbelastung der Modeindustrie. Die Zahlen sprechen für sich:

  • Die Modeindustrie verursacht laut UNEP rund 8 bis 10 Prozent der globalen CO2-Emissionen
  • Jedes Secondhand-Kleidungsstück spart im Durchschnitt 3,6 kg CO2 gegenüber einem Neukauf
  • In Österreich landen jährlich rund 221.000 Tonnen Textilien im Abfall
  • Ein Vintage-Teil, das du statt eines neuen Kleidungsstücks kaufst, spart durchschnittlich 2.700 Liter Wasser

Vintage Mode ist damit mehr als ein Stilstatement: Sie ist ein aktiver Beitrag zu einer nachhaltigeren Modewelt. Wenn du deinen ökologischen Fußabdruck im Bereich Mode verkleinern möchtest, ist der Griff zum Secondhand-Stück eine der effektivsten Entscheidungen, die du treffen kannst.

Dabei geht es nicht um Verzicht. Im Gegenteil: Meine Kundinnen berichten mir regelmäßig, dass sie seit dem Umstieg auf einen Mix aus Vintage und bewusst gekaufter Neuware mehr Freude an ihrer Garderobe haben. Jedes Teil hat eine Geschichte, eine Qualität und eine Einzigartigkeit, die Fast Fashion schlicht nicht bieten kann. Wer diesen Ansatz konsequent verfolgt, baut sich eine Garderobe auf, die das ganze Jahr über funktioniert, vom Bewerbungsgespräch bis zur Hochzeitsfeier.

Mein persönliches Ziel als Stylistin ist es, jeder Kundin zu zeigen, dass Nachhaltigkeit und Stil keine Gegensätze sind. Vintage Mode ist der lebendige Beweis dafür.

Das Wichtigste

  • Prüfe beim Vintage-Kauf immer Material, Nähte und Passform: Naturfasern wie Seide und Wolle altern deutlich besser als Synthetik
  • Kombiniere maximal ein bis zwei Vintage-Teile mit modernen Basics für einen zeitgemäßen Look
  • Lass Vintage-Fundstücke für 15 bis 40 Euro beim Schneider anpassen: Die perfekte Passform macht den Unterschied zwischen verkleidet und stilvoll
  • Starte mit einem monatlichen Budget von 30 bis 50 Euro und investiere in wenige, hochwertige Stücke statt in viele Impulskäufe
  • Jedes Secondhand-Teil spart durchschnittlich 3,6 kg CO2 und 2.700 Liter Wasser gegenüber einem Neukauf

Häufig gestellte Fragen


Was ist der Unterschied zwischen Vintage und Secondhand?

Secondhand bezeichnet jedes gebrauchte Kleidungsstück, unabhängig von Alter oder Qualität. Vintage Mode hingegen bezieht sich auf Stücke, die mindestens 20 Jahre alt sind und einen bestimmten Stil einer vergangenen Epoche repräsentieren. Vintage-Teile zeichnen sich oft durch eine besondere gestalterische oder handwerkliche Qualität aus, die sie von gewöhnlicher Gebrauchtkleidung abhebt.


Wie erkenne ich, ob ein Vintage-Teil sein Geld wert ist?

Achte auf drei Hauptkriterien: das Material (Naturfasern wie Seide, Wolle oder Leinen sind ein gutes Zeichen), die Verarbeitung (gleichmäßige Nähte, saubere Knopflöcher, großzügige Nahtzugaben) und den Gesamtzustand (keine hartnäckigen Flecken, keine Mottenlöcher, keine brüchigen Stellen). Ein hochwertiges Vintage-Teil fühlt sich beim Anfassen wertig an und hat oft ein schwereres Gewicht als vergleichbare moderne Kleidung.


Wie wasche ich empfindliche Vintage-Kleidung richtig?

Wasche Vintage-Teile grundsätzlich per Hand oder im Schonwaschgang bei maximal 30 Grad mit mildem Wollwaschmittel. Vermeide den Trockner komplett, da er alte Fasern schädigt. Bei besonders empfindlichen Materialien wie Seide, Samt oder bestickten Stoffen empfiehlt sich die professionelle Reinigung für etwa 8 bis 15 Euro pro Teil. Zwischen den Wäschen reicht oft gründliches Lüften über Nacht.


Wo finde ich Vintage Mode in Österreich?

In Wien bieten spezialisierte Vintage-Shops in der Neubaugasse und rund um den Naschmarkt eine kuratierte Auswahl. Flohmärkte wie der Naschmarkt-Flohmarkt sind ideal für Schnäppchen ab 2 bis 5 Euro. Online findest du Vintage-Teile auf Plattformen wie Vestiaire Collective, Vinted und willhaben.at. Charity-Shops der Caritas und Volkshilfe bieten ebenfalls günstige Secondhand-Kleidung, und regelmäßige Kleidertausch-Events in Wien ermöglichen kostenlosen Garderobentausch.


Wie kombiniere ich Vintage-Teile, ohne verkleidet auszusehen?

Die wichtigste Regel lautet: Trage nie mehr als zwei Vintage-Teile gleichzeitig. Wähle ein auffälliges Vintage-Stück als Statement-Piece und kombiniere es mit schlichten, modernen Basics in neutralen Farben. Lass Vintage-Teile beim Schneider auf deine Figur anpassen, denn die perfekte Passform ist der Schlüssel zu einem modernen statt kostümhaften Look. Beginne als Einsteigerin mit Vintage-Accessoires wie Broschen, Schals oder Handtaschen.


Ist Vintage Mode wirklich nachhaltiger als Neuware?

Ja, eindeutig. Jedes Secondhand-Kleidungsstück spart im Durchschnitt 3,6 kg CO2 und rund 2.700 Liter Wasser gegenüber einem Neukauf. Da die Modeindustrie für 8 bis 10 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich ist, leistet jeder Griff zum Vintage-Stück einen messbaren Beitrag zum Umweltschutz. Gleichzeitig reduzierst du Textilmüll: In Österreich landen jährlich etwa 221.000 Tonnen Textilien im Abfall.


Lena Hofmann
Lena Hofmann

Modeberaterin und Stylistin aus Wien mit über 10 Jahren Erfahrung in der Modebranche. Lena teilt ihre Expertise zu Trends, Stil-Basics und nachhaltiger Mode für jeden Tag.