Eine Regenjacke verliert ihre wasserabweisende Wirkung nicht, weil die Membran kaputt ist, sondern weil die DWR-Beschichtung (Durable Water Repellency) an der Außenseite nachlässt. Sobald der Oberstoff Wasser aufsaugt statt es in Tropfen abperlen zu lassen, fühlt sich die Jacke klamm an, obwohl innen noch kein Wasser durchdringt. Dann ist der richtige Zeitpunkt zum Nachimprägnieren erreicht.
Inhaltsverzeichnis
DWR-Beschichtung: ab 20 bis 30 Regentagen lässt die Abperlwirkung nach
Die DWR-Schicht ist eine hauchdünne Fluorcarbon- oder fluorfreie Beschichtung auf dem Außenstoff. Sie sorgt dafür, dass Regenwasser abperlt, bevor es den Stoff durchnässt. Laut Gore-Tex wird diese Schicht durch mechanische Beanspruchung, Schmutz, Schweiß und wiederholtes Waschen abgetragen. Der Beading-Test zeigt, ob es so weit ist: ein paar Tropfen Wasser auf die Schulterpartie geben. Bilden sich keine runden Perlen mehr und der Stoff dunkelt durch, braucht die Jacke eine Nachimprägnierung.
Manchmal reicht schon ein Wäschetrockner-Durchgang bei niedriger Temperatur (sofern das Pflegeetikett es erlaubt), um die bestehende DWR kurzzeitig zu reaktivieren. Wärme richtet die Polymerketten wieder auf. Wenn auch das nicht mehr hilft, ist echtes Nachimprägnieren fällig.
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Spray oder Einwaschimprägnierung: zwei Methoden im Vergleich
Zwei gängige Verfahren stehen zur Auswahl, und beide haben ihren Platz.
| Kriterium | Imprägnierspray | Einwaschimprägnierung |
|---|---|---|
| Anwendung | Aufsprühen auf den sauberen, feuchten Außenstoff | Zugabe ins Spülwasser oder in die Waschmaschine |
| Gleichmäßigkeit | Hängt von der Sprühtechnik ab | Sehr gleichmäßig, da die Lösung den gesamten Stoff durchdringt |
| Atmungsaktivität | Nur Außenseite behandelt, Membranporen bleiben frei | Kann bei Polyester-Futterstoffen die Dampfdurchlässigkeit leicht verringern |
| Geeignet für | Hardshells, Softshells, gezielt beanspruchte Stellen | Hardshells ohne empfindliches Innenfutter |
Bei dreilagigen Hardshells (Außenstoff, Membran, Innenlaminat) funktionieren beide Methoden. Bei zweilagigen Jacken mit losem Meshfutter ist ein Spray die sicherere Wahl, weil es nur den Außenstoff erreicht. Das bestätigt auch der Outdoor-Ausrüster Bergfreunde in seiner Pflegeanleitung.
Schritt für Schritt: Regenjacke waschen und imprägnieren
Imprägnieren auf schmutzigem Stoff bringt nichts, weil die DWR-Schicht sich an Fett und Schmutzpartikel statt an die Faser bindet. Deswegen steht Waschen vor dem Imprägnieren.
- Alle Reißverschlüsse schließen, Klettverschlüsse zudrücken.
- Jacke bei 30 °C im Schonwaschgang mit einem speziellen Funktionswaschmittel (kein Weichspüler, kein Vollwaschmittel) waschen. Weichspüler verstopft die Membranporen.
- Einen zusätzlichen Spülgang laufen lassen, damit keine Waschmittelreste im Stoff bleiben.
- Bei Spray: die feuchte Jacke auf einen Bügel hängen, aus 15 bis 20 cm Entfernung gleichmäßig einsprühen, kurz einwirken lassen, dann im Trockner bei niedriger Stufe oder mit einem Föhn aktivieren.
- Bei Einwaschimprägnierung: das Mittel laut Herstellerangabe direkt in die Waschmaschine geben und einen separaten Waschgang starten. Danach trocknen und Wärme zuführen.
Die Wärme im letzten Schritt ist entscheidend. Ohne sie vernetzt die DWR-Schicht nicht vollständig. Vaude empfiehlt in seiner Pflegeanleitung 20 Minuten im Trockner bei niedriger Temperatur oder vorsichtiges Bügeln auf niedrigster Stufe mit einem Tuch dazwischen.
Welche Materialien man nicht imprägnieren sollte
Nicht jeder Stoff verträgt eine Imprägnierung. Merinowolle und andere tierische Fasern wie Kaschmir haben eine natürliche Fettschicht (Lanolin), die durch chemische Imprägnierung gestört werden kann. Seide reagiert empfindlich auf die Lösungsmittel in vielen Sprays, was zu Flecken oder Verfärbungen führt. Auch reine Baumwolljacken ohne Membranbeschichtung zu imprägnieren bringt kaum etwas: der Stoff nimmt trotzdem Wasser auf, die dünne DWR-Schicht wird schnell durchnässt.
Geeignet sind dagegen Jacken aus Polyester oder Polyamid mit einer Membran (Gore-Tex, Sympatex, Dermizax und ähnliche Systeme) sowie Softshells mit wasserabweisender Außenlage.
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Hausmittel und ihre Grenzen
In Foren tauchen regelmäßig Vorschläge auf, Jacken mit Kerzenwachs, Bienenwachs oder Silikonspray zu behandeln. Wachs funktioniert tatsächlich als Imprägnierung, allerdings nur bei dicht gewebten Baumwollstoffen (Wachsjacken im britischen Stil). Auf einer modernen Membranjacke verschließt Wachs die feinen Poren und zerstört die Atmungsaktivität.
Silikonspray aus dem Baumarkt hält Wasser zwar kurzzeitig ab, laut dem SWR-Verbrauchermagazin verklebt es aber ebenfalls die Membran und lässt sich danach kaum entfernen. Schuhspray auf Jacken zu verwenden ist aus demselben Grund keine gute Idee.
Wer auf PFC-freie Produkte Wert legt (Fluorcarbone stehen wegen ihrer Umweltpersistenz in der Kritik), findet bei den meisten großen Herstellern mittlerweile fluorfreie Alternativen. Die Wikipedia-Seite zu PFAS gibt einen Überblick über den aktuellen Diskussionsstand rund um diese Stoffgruppe.
Zum Merken
- Beading-Test vor jeder Saison: perlt Wasser nicht mehr ab, ist Nachimprägnieren nötig.
- Jacke immer zuerst mit Funktionswaschmittel waschen, dann imprägnieren.
- Spray für zweilagige Jacken, Einwaschimprägnierung für dreilagige Hardshells.
- Wärme (Trockner oder Föhn) nach dem Imprägnieren aktiviert die DWR-Schicht.
- Keine Hausmittel wie Wachs oder Silikonspray auf Membranjacken verwenden.
Häufig gestellte Fragen
Wie imprägniere ich am besten eine Regenjacke?
Zuerst die Jacke mit einem Funktionswaschmittel (ohne Weichspüler) bei 30 °C waschen, dann im feuchten Zustand mit einem geeigneten Spray oder per Einwaschimprägnierung behandeln. Im Anschluss 20 Minuten im Wäschetrockner bei niedriger Temperatur trocknen, damit die DWR-Schicht sich durch Wärme aktiviert.
Ist Imprägnierspray wirklich notwendig?
Die werksseitige DWR-Beschichtung hält nicht ewig. Sobald Wasser nicht mehr abperlt und der Oberstoff sich vollsaugt, sinkt der Tragekomfort deutlich, auch wenn die Membran selbst noch dicht ist. Nachimprägnieren stellt die Abperlfunktion wieder her und schützt die Membran vor Überlastung.
Welche Materialien sollte man nicht imprägnieren?
Wolle, Kaschmir, Seide und reine Baumwolle ohne Membran eignen sich nicht für herkömmliche Imprägniersprays. Bei Wolle stört die Chemie das natürliche Lanolin, bei Seide drohen Flecken, und Baumwolle ohne Beschichtung nimmt trotzdem Wasser auf.
Kann man eine Jacke selber imprägnieren?
Ja, sowohl Spray- als auch Einwaschimprägnierung lassen sich problemlos zu Hause durchführen. Es braucht weder eine Fachperson noch ein spezielles Gerät. Wichtig ist nur, dass die Jacke vorher gründlich gewaschen wurde und nach dem Imprägnieren Wärme zugeführt wird.
Modeberaterin und Stylistin aus Wien mit über 10 Jahren Erfahrung in der Modebranche. Lena teilt ihre Expertise zu Trends, Stil-Basics und nachhaltiger Mode für jeden Tag.
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